Anschlag in Paris: Der Schutz „religiöser Gefühle“ schützt die Falschen

Es ist jetzt kurz vor acht Uhr morgens. Ich bin gerade aufgewacht, scrolle durch Facebook, lese von den Anschlägen in Paris. Ich denke: „War ja klar, dass das kommt.“ Dann denke ich: „Soweit bin ich also schon mit meiner Angst.“

 

Ich fürchte mich nicht um mein Leben, sondern um die Freiheit in Deutschland und Europa. Genau darum sollte es in meinem Blog gehen. Genau damit beginne ich es jetzt, am Morgen nach diesem Anschlag.

 

Während ich das schreibe, sind die Hintergründe des Anschlags noch unklar. Wir wissen, dass es sich um eine koordinierte Aktion handelte, an der acht Terroristen beteiligt waren. Die Vermutung liegt nahe, dass die Täter islamistisch motiviert waren. Zeugen sprechen von Allahu-Akbar-Rufen der Terroristen im Club „Le Bataclan“. Sieben der acht Täter sprengten sich selbst in die Luft, zudem hat Frankreich in den letzten Monaten bereits mehrere islamistische Anschläge vereitelt. In den kommenden Stunden wird sich wahrscheinlich bewahrheiten, wovor „besorgte Bürger“ seit langem warnen: Mit unserer falschen Toleranz holen wir uns den Terror und die Barbarei islamischer Krisenherde in unsere Gesellschaft. Noch schlimmer: Wir holen uns die Denkverbote, die Sprechverbote und die Angst in unsere Gesellschaft.

 

Es geht um unsere verdammte Freiheit

 

Seit ich politisch denken kann, ist die Integration von Einwanderern muslimischen Glaubens ein Thema. Seit ich politisch denken kann, herrscht in Europa Angst vor islamistischen Anschlägen. Seit ich politisch denken kann, teilt sich die Stimmung in zwei Lager: Es gibt jene, die jegliche Religionskritik ablehnen, Gefahren und Missstände herunterspielen; und jene, die vor Gefahren warnen und offen und laut Kritik am „Wertesystem Islam“ üben.

 

Vor allem die Anwälte der falschen Toleranz gegenüber „religiösen Gefühlen“ vergessen dabei eines stets: Je größer die Angst vor islamischen Parallelgesellschaften, Sprech- und Denkverboten und Anschlägen wie denen in Paris, desto mehr steigt auch die Angst vor allem Fremden. Der Schutz sogenannter „religiöser Gefühle“ fällt daher auf diejenigen zurück, die sich und womöglich auch ihren Glauben wunderbar in die Gesellschaft integrieren: Moderate Muslime, atheistische Araber, Türken, Perser und andere Einwanderer sowie ihre Kinder. Seit ich politisch denken kann, schützen die vermeintlichen Anwälte der Schwachen islamische Verbrecher, Faschisten und ein Wertesystem, das mit einem freien und emanzipierten Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft rein gar nichts gemein hat. Diese falsche Toleranz gegenüber religiösen Werten hat eine Mitschuld an der Gewalt. Jeden Tag verteilen die Anwerber neuer Terroristen mit ihrer „Lies!-Aktion“ Korane in europäischen Fußgängerzonen und radikalisieren junge Muslime. Die selbsternannten Anwälte einer freien, emanzipierten Gesellschaft scheint dies nicht zu stören. Sie trinken Soja-Latte, schauen Extra3 und schimpfen über „besorgte Bürger“.

 

Religiöser Dogmatismus schadet vor allem den Gläubigen

 

Sollte sich der Verdacht eines islamistischen Anschlags bestätigen, dann brauchen wir eine ehrliche Migrationsdebatte und einen Aufstand der Mehrheit der Muslime. Bei allen islamistischen Anschlägen in der westlichen Welt blieb der Großteil der Durschnittsmuslime still. Dabei geht es auch um ihre Freiheit. Denn je größer die Angst vor religiösen Sprechverboten, Denkverboten und Anschlägen, desto geringer die Akzeptanz gegenüber dem Islam als Privatsache. Noch mehr: Muslime sind nicht nur geistige Opfer in einem Grabenkampf zwischen Meinungsfreiheit und religiösem Dogmatismus, sondern erleiden in diesem Kampf auch physischen Schaden. Es wäre ein großes Wunder, wenn unter der großen Zahl an Opfern in Paris keine Muslime sind. Erinnern möchte ich auch an den Anschlag auf Charlie Hebdo: Der Polizist, der der Redaktion zur Hilfe kommen wollte, wurde auf offener Straße, am Boden liegend, exekutiert. Er war Muslim.

 

Edit: Der IS hat sich zum Anschlag bekannt. Allerdings nennt das Bekennerschreiben keine Insiderinfos. Kann gut sein, dass sie sich die Tat nur auf die Fahne schreiben.